(Chronische)
DAUERKOPFSCHMERZEN
ständige Kopfschmerzen, ständig anhaltende, andauernde
Kopfschmerzen
(Viele weitere Schmerzthemen unten auf dieser Seite)
Kopfschmerzen können als andauernd oder episodisch (= von Zeit zu Zeit) auftreten.
Systematik (= Einteilung) der Kopfschmerzen:
| 1. Primäre Kopfschmerzen | |
| 1.1 Mig räne | |
| - ohne Aura | |
| - mit Aura | |
| - andere Kop fschmerz -Formen | |
|
1.2 Clus ter-Kop fschmerz 1.3 SU NCT-Sy ndrom |
|
| 1.4 Primäre Kopfschmerzen, die weder den Mig räne- | |
| noch den Clus ter- Kopfschmerzen zuzuordnen sind: | |
| - Spannungskop fschmerzen | |
| - ver tebragener Kop fschmerz | |
| - Okzipitalneuralg ie | |
| - Hemicran ia co ntinua | |
| - Raede r-Synd rom | |
| - Nec k-to ngue-Sy ndrom | |
| 2. Sekundäre oder symptomatische Kopfschmerzen | |
| - Kopfschmerzen als (zunächst) einziges Symptom | |
| - Kopfschmerzen als Begleitsymptom | |
| 3. Kombinationskop fschmerz | |
| - Mig räne und Kopfschmerzen vom Spannu ngstyp | |
| - Mig räne und Schmerzmittel/Ergotam in- Kopfschmerzen | |
| - Spannu ngs- und Schmerzmittel-Kopfschmerzen | |
| - andere Kombinationen |
Folgende Kopfschmerzformen treten (überwiegend) als (chronische) Dauerkopfschmerzen auf:
1. 4 Primäre Kopfschmerzen, die
weder dem Migräne- noch
dem Clus ter-Kop fschmerz
zuzuordnen sind
Unter diesem Begriff fassen wir scheinbar eigenständige Kopfschmerzbilder
wie Spannungskop fschmerz,
ver tebragener oder zerv ikogener (=
von der Halswir belsäule ausgehender) Kop fschmerz,
Anstrengungskop fschmerz oder
Hemicran ia co ntinua (= anhaltender Halbseitenkop fschmerz) zusammen.
Allen Formen
gemeinsam ist die sehr variablen Krankheitszeichen, so daß eine eindeutige
Diagnosezuordnung in vielen, wenn nicht in den meisten Fällen, willkürlich
ist. Oftmals ist nicht einmal eine sichere Abgrenzung gegen Mig räne- oder
vasomo torische
(= von Blutgefäßen
ausgehende) Kop fschmerzen möglich.
Spannungskop fschmerz (oft auch
als Kopfschmerzen vom
Spannu ngstyp bezeichnet):
Spannungskop fschmerzen treten meist als chronische,
ständig anhaltende Dauerkopfschmerzen auf und sind von allen genannten Begriffen am wenigsten klar
definiert. Der Begriff wird deshalb oftmals als Verlegenheitsdiagnose verwendet.
Die Symptomatologie (= die verschiedenen
Krankheitszeichen) wird in der Literatur nicht
einheitlich angegeben. Nach Meyer (1989) ist die Lokalisation wechselnd,
oft fronto/okzipital (= im Stir n//Hinterhaup t-Bereich auftretend),
Soyka (1989) dagegen gibt als Schwerpunkt die Nac ken- und
Hinterkopfregion an. Meist wird der Schmerzcharakter mit dumpf, bohrend und
spannend bezeichnet. In der Regel liegen die Beschwerden beiderseits vor.
Nach
unseren Erfahrungen geben die betroffenen Patienten häufig an, der Schmerz
steige von der Hinterkopfregion auf und breite sich dann diffus bis zu beiden
Augenhöhlen aus. In der Regel beginnen die Kop fschmerzen vom
Spannu ngstyp
schleichend morgens und steigern sich dann im Verlauf des Tages, meist den
ganzen Tag anhaltend. Teilweise werden aber auch im Tagesverlauf unterschiedlich
lange anfallsartige Schmerzverstärkungen angegeben, manchmal mit (milden)
vegetativen Symptomen (z.B. Übelkeit) einhergehend, so daß auch das Vorliegen
eines Mig räne- Kopfschmerzes in Frage kommt.
Bei der Untersuchung ist die Hinterkop fregion beiderseits oft druckschmerzhaft. Teilweise ist die Kalotte (=
der knöcherne Schädel) klopfschmerzhaft. Sehr
häufig finden sich im Halswirbelsäulenbereich Muskelverspannungen, diese
können auch bis zur Schultermuskulatur reichen. Fast alle Patienten mit
ständigen Spannungskop fschmerzen geben an, daß Aufmerksamkeit und
Konzentrationsfähigkeit nachgelassen hätten.
Eine Unterteilung in
"episodischen (= von Zeit zu Zeit
auftretenden) Spannungskop fschmerzen" und
"chronische,
anhaltende Spannungskop fschmerzen" erscheint nicht sinnvoll, weil
damit lediglich Verlaufsvarianten beschrieben werden, die sich selbst bei
gleichen Patienten häufig abwechseln können. Eine Verspannung der
perikranialen (= den Schädel umgebenden)
Mus kulatur, wie es dieser Kopfschmerzbegriff vermuten läßt, ist nicht
zwingend.
Psychische
Überlagerung, vor allem in Form von depressiver
Verstimmung und/oder psychovegetativer Labilität ist häufig. In der Regel
dominiert die pflichtbewußte und leistungsorientierte Persönlichkeit.
Zur Differentialdiagnose von Kop fschmerzen (= Zum Herausfinden um welche Kopfschmerzform es sich handelt) eignen sich Nervenblockaden (= Nervenbetäubungen). Während einer regelrechten Blockade der Nerven supraorbitales (= Stirnnerven), occipitales majores und minores (= Hinterkopfnerven) sowie auriculotemporales (infiltrativ im Schlä fenbereich) bleiben i.d.R. ein Dauerkopfschmerzen vom Spannu ngstyp weg, nicht aber vasomotor ische (= von Blutgefäßen ausgehende) oder posttraumat ische (= nach Verletzungen auftretende) Kop fschmerzen, sofern diese auf meningeale (= hirnhautbedingte) Störungen zurückzuführen.
Ver tebragene
(zerv ikogene)
Kop fschmerzen:
Der Unterschied zum Kop fschmerz vom
Spannu ngstyp dürfte nur darin bestehen, daß mit dem Begriff
"ver tebragen" (=
wirbelsäulenbedingt) lediglich auf eine mögliche
Ursache bzw. einen Zusammenhang hingewiesen wird. Die Schmerzausstrahlung
verläuft vom Nac ken
aufsteigend zur Stir n hin, nicht selten tritt gleichzeitig
ein Schu lter-Ar m-Synd rom auf.
Atypische Okzipitalneuralg ie:
Die primäre, idiopath ische (=
als eigenständige Erkrankung auftretende)
Okzipitalneuralg ie ist selten. Es treten einseitig einschießende
Kop fschmerzen im Versorgungsgebiet des N. occipitalis major auf
(Hinterkop f bis
Scheitelhöhe). Wie bei der Trigeminusneuralg ie liegt häufiger eine atypische Form
vor, gekennzeichnet durch meist einseitig auftretende Kop fschmerzen und
längerfristigen Schmerzepisoden bis hin zu Dauerkopfschmerzen.
Hemicran ia co ntinua (anhaltende Halbseitenkop fschmerzen):
Diese
Kopfschmerzart soll stets einseitig und seitenkonstant in Form von Dauerkopfschmerzen
auftreten. Differentialdiagnostisch (= um
herauszufinden um welche Kopfschmerzform es sich handelt)
zu verwerten ist, daß diese Beschwerden nur auf Indometacin (z.B.
Indometacin-ratio®)
ansprechen (Sjastaad 1984). Vermutlich handelt es sich hierbei ebenfalls
um Dauerkopfschmerzen vom Spannu ngstyp, allerdings halbseitig auftretend.
Therapie bei Dauerkopfschmerzen:
Die Schwierigkeit
genereller Therapieempfehlungen liegt darin, daß Dauerkopfschmerzen in allen
möglichen Variationen auftreten, sowohl hinsichtlich der Intensität als auch
der Periodizität (= zeitliches
Auftreten). Die Kopfschmerzcharakteristika sind
nicht nur von Patient zu Patient verschieden, sondern können sich auch im
Verlauf der Er krankung
beim selben Patienten ändern, so daß dann jeweils die
aktuelle Therap ie angepaßt werden muß. Hinzu kommt, daß die verschiedensten
Behandlungsmaßnahmen sehr unterschiedlich wirken können. Was bei einem
Patienten wirksam ist, muß dem anderen noch lange nicht helfen, auch wenn
scheinbar Diagnose und Symptomatik (=
Krankheitszeichen) übereinstimmen.
Letztlich gilt
es also, für jeden Patienten eine optimale individuelle Therapie zu erarbeiten,
was sehr zeitaufwendig sein kann.
Medikamentöse Kop fschmerztherapie:
Die
Behandlung primärer (= nicht auf eine
sonstige Krankheit zurückzuführenden)
Dauerkopfschmerzen mit Medikamenten ist und bleibt angesichts mangelnder kausaler (=
ursächlicher) Therapiemöglichkeiten eine
Notlösung, weshalb im Hinblick auf die Nutzen-Risiko-Relation die
Arzneimittelverordnung ständig überprüft und der aktuellen Leidenssituation
des Patienten angepaßt werden muß. Genaue Kenntnisse über Nebenwirkungen und
Kontraindikationen (= Gegenanzeigen)
sind für eine optimale Behandlung unabdingbare Voraussetzungen.
Grundsätzlich
gilt, daß Analgetika (=
Schmerzmittel) möglichst nicht auf Dauer verabreicht werden sollen.
Die Gefahr einer Gewöhnung oder gar Abhängigkeit wird durch Verordnung von
Kombinationspräparaten noch gefördert. Besonders gefürchtete Beimischungen
sind Barbiturate, Kodein und Ergotam in.
Akuttherapie:
Für
die Behandlung primärer (= nicht auf eine
sonstige Krankheit zurückzuführende)
Kop fschmerzen haben sich folgende Analgetika
(= Schmerzmittel) bewährt: Acetylsalicylsäure
(z.B. ASS-ratiopharm®, Aspirin®), Paracetamol (z.B. ben-u-ron®) und sog.
nichtsteroidale Antirheumatika wie z.B. Ibuprofen (z.B. Brufen®, Dolgit®).
Besonders magenschonend und auch entzündungshemmend sind die sog. COX-2
Inhibitoren, z.B. Parecoxib (Dynastat®)
oder Etoricoxib (Arcoxia®),
allerdings scheint diese Stoffgruppe mit einem Herz-/Kreislauf-Risiko verbunden
zu sein, zumindest bei längerer Therapiedauer. Es bleibt abzuwarten, ob Parecoxib
und
Etoricoxib nicht auch noch vom Markt genommen werden, wie schon andere
Mittel dieser Stoffgruppe zuvor.
Zusätzlich kann die Gabe eines zentralen Muskelrelaxans
(=
ein Mittel zur Muskelentspannung), z.B. Baclofen
(z.B. Lioresal®) hilfreich sein.
Der akute Spannungskop fschmerz spricht auch
auf Ergotamingabe an. Hinsichtlich der Verordnungshäufigkeit bestehen aber die
gleichen Bedenken wie bei der Mig ränetherapie. Bei unzureichender Wirkung von
Acetylsalicylsäure oder Paracetamol kann auch Metamizol (Baralgin®, Novalgin®)
versucht werden. Die i.v. Applikation (langsam) führt zu einem schnellen
Wirkungseintritt. In seltenen Fällen kann allerdings die gefürchtete
Agranulozytose (= Zerstörung bestimmter
Blutzellen) auftreten.
Alternativ kommt aus der
Gruppe der zentral wirksamen (= im
Rückenmark bzw. Gehirn wirkenden) Schmerzmittel
bei Spannungskop fschmerzen noch Tramadol (Tramal®) in Frage, evtl. in
Kombination mit einem peripher (= direkt
im Schmerzbereich) wirkenden Schmerzmittel.
Tilidin, selbst in Verbindung mit Naloxon (Valoron N®) hat nach unseren
Erfahrungen immer noch ein gewisses Suchtpotential. Eine Entwöhnung bzw. ein
Entzug ist manchmal sehr schwierig.
Opioide oder Opiate (=
morphinähnliche Schmerzmittel) sollten eher
zurückhaltend verordnet werden.
Oftmals kann mit der
therapeutischen
Lokalanästhesie
(=
Behandlung mit einem örtlichen Betäubungsmittel) in Form
von Nervenblockaden (= Nervenbetäubungen)
und Infiltrationen dominanter Schmerzareale bei Dauerkopfschmerzen prompt Schmerzfreiheit erzielt
werden. Nicht selten ist zu beobachten, daß die Wirkung deutlich über die
Wirkdauer des verwendeten örtlichen Betäubungsmittels hinaus anhält.
Therapie subakuter oder chronischer Kop fschmerzen:
Zur Behandlung subakuter
(= eher mäßiger) oder chronischer
Dauerkopfschmerzen haben sich verschiedene psychotrope Substanzen
(= Mittel, die auf die Psyche einwirken) (z.B.
Doxepin, Maprotilin) sehr bewährt. Primär kommen sie dabei wegen ihrer
schmerzdistanzierenden Wirkung zur Anwendung. Maprotilin (z.B. Ludiomil®) kommt
bei uns am häufigsten zur Anwendung und ist wegen der ausgeprägten dämpfenden
Wirkung besonders für unruhige Patienten geeignet. Amitriptylin (z.B. Saroten®)
ist stärker stimmungsaufhellend und mäßig dämpfend. Amitriptylinoxid (Equilibrin®)
ist eine biochemische Vorstufe des Amitriptylins und gilt als besser
verträglich. Doxepin (z.B. Aponal®, Sinquan®) eignet sich zur vegetativen
Harmonisierung, wirkt ausgesprochen depressionslösend und dämpfend. Diese
Substanz eignet sich auch zur Abschirmung eines Arzneimittelentzuges.
Die
Dosierung erfolgt generell einschleichend. Die genannten tri- und
tetrazyklischen Antidepressiva (= Mittel
gegen Depressionen) können auch im Sinne einer
Spannungskop fschmerz-Prophylaxe (=
Vorbeugung) eingesetzt werden. Oftmals behalten
wir diese Medikation nach einer erfolgreichen Behandlung für weitere 2-3 Monate
bei, allerdings in reduzierter Dosierung (z.B. nur abends).
In hartnäckigen
Fällen hat sich die zusätzliche, niedrig bis mittel dosierte Verabreichung
eines Neuroleptikums (= Mittel zur
Beeinflussung der Psyche) bewährt. Wir bevorzugen
Levomepromazin (Neurocil®) in der Dosierung 3x3-15 Trpf. Levomepromazin wirkt
psychomotorisch (= hinsichtlich Psyche und
Bewegungsabläufe) stark dämpfend, so daß es in
Kombination besonders mit dem ähnlich wirkenden Maprotilin vorsichtig dosiert
werden muß.
Die Wirksamkeit von Serotonin-Antagonisten (=
Mittel, die dem Gewebshormon Serotonin entgegenwirken)
wie Methysergid (Deseril®), Lisurid (Cuvalit®) und Pizotifen Sandomigran®,
Mosegor®) ist bei Dauerkopfschmerzen vom Spannu ngstyp durch Studien bisher nicht
belegt.
Auch die Wirksamkeit der Beta-Blocker (=
blutdrucksenkende Mittel, aber auch nachgewiesen hilfreich bei Mi
grä
Besonders bei Vorliegen einer "migränoiden"
Begleitsymptomatik (= z.B. Übelkeit,
Licht- und Lärmempfindlichkeit) ist als letzter
Therapieversuch auch der Einsatz von Triptane denkbar.
Das Mittel der Wahl bei Hemicran ia co ntinua
(= anhaltender Halbseitenkop fschmerz) ist
Indometacin (z.B. Indometacin-ratio®).
Therapeutische Lokalanaesthesie
bei
Dauerkopfschmerzen:
Die Therapie mit langwirkenden Lokalanästhetika
(= örtlichen Betäubungsmitteln)
Bupivacain, Etidocain) hat in der Behandlung primärer (=
nicht auf eine sonstige Krankheit zurückzuführende)
Kop fschmerzen sowohl bei akuten als auch bei subakuten oder chronische n Schmerzzuständen bei uns bewährt (Leser et Hefermann,
Schmerzklinik Bad Mergentheim 1990).
Dabei werden (stationär 1 bis 2 mal täglich) alle Nerven, die an der sensiblen
Versorgung des Schmerzbereichs beteiligt sind, an ihrem Austrittspunkt mit 1-2
ml blockiert. Zusätzlich werden, falls betroffen, die Aurikulotemporal is-
Region (= Schläfengegend)
und korrespondierende Triggerpunkte (=
Schmerzreizpunkte) infiltriert. Von besonderer
Bedeutung sind die myofaszialen (=
von Mus keln und deren Gewebsumhüllung ausgehende)
Triggerpunkte.
Bei hinterkopfbetonten Schmerzbildern, auch mit mehr oder weniger
deutlicher Beteiligung der Halswir belsäule, führen wir in gleicher Sitzung
tiefe Infiltrationen der angrenzenden Mus kulatur mit insgesamt etwa 4- 6 ml
durch.
Bei halbseitigen Dauerkopfschmerzen vom Spannu ngstyp ist auch die wiederholte
Betäubung des Gang lion stel latum (=
vegetative Schaltstelle im seitlichen Halsbereich)
mit einem langwirkenden Lokalanaesthetikum hilfreich.
Im chronische n Stadium,
aber auch bei episodenhaften (= von Zeit
zu Zeit auftretenden) Spannungskop fschmerzen, wenn
die schmerzfreien Intervalle nicht zu lange anhalten (z.B. nicht mehr als 1
Woche), ist diese Therapie um so wirkungsvoller, je häufiger sie angewendet
wird. Als optimal erwiesen sich zwei Sitzungen pro Tag über einen Zeitraum von
ca. 10-20 Tagen, was in der Regel allerdings organisatorisch meist nur
stationär möglich ist. Nicht selten kann eine anhaltende deutliche
Schmerzlinderung, oft auch Schmerzfreiheit, manchmal sogar schon nach wenigen
Sitzungen erreicht werden. Unter einer solchen intensiven therapeutischen
Lokalanästhesie kann in der Regel auch ein Schmerzmittelentzug erfolgreich
durchgeführt werden, sofern das Abusus- (=
Mißbrauch-) oder Abhängigkeitsverhalten
tatsächlich auf eine Schmerzbelastung und nicht etwa auf ein psychisches
Suchtpotential zurückzuführen ist.
Nichtmedikamentöse Behandlung von Dauerkopfschmerzen:
Wie
bei der Mig ränebehandlung werden die folgenden Methoden vorwiegend ergänzend
eingesetzt, teilweise sind sie aber auch unverzichtbare Bestandteile der
Gesamttherapie.
Bei der Punkteauswahl zur Akupunktur dominiert das
Lenkergefäß, ein Meridian, der hinter dem Afte r beginnt und sich über die
Spitze der Dornfortsätze der Wir belsäule, über die Schädelmitte bis zur
Oberlippe erstreckt. Empfohlen werden hauptsächlich die Punkte 19, 23 und 25;
zusätzlich Punkte des Gallenblasen-Meridians im Kopfbereich, so z.B. 3 und 20 (Kossmann
et al. 1986).
Auch die transkutane Nervenstimulation mittels
Niederfrequenzgenerator über Klebeelektroden (TENS) hat sich bei Dauerkopfschmerzen
bewährt. Mit dieser Methode lassen sich häufig Schmerzmittel einsparen,
oftmals kann auf zusätzliche Schmerzmitteleinnahme sogar verzichtet werden.
Wenn Dauerkopfschmerzen mit Störungen im Bereich der Halswir belsäule
einhergeht,
ist in der Regel die Verordnung von physikalischen Therapiemaßnahmen (Fango, Wärmeapplikationen usw.) sowie Krankengymnastik hilfreich.
Besonders zu empfehlen sind Autoelongationsübungen. Manchmal kann auch durch
eine manuelle Lymphdrainage im Kop f-/Halsbereich eine deutliche Verbesserung
erzielt werden. Bewährt hat sich auch die wiederholte oberflächliche
Kältebehandlung im Nac ken-/HW S-Bereich, evtl. auch unter Einschluß der
angrenzenden Schultermuskulatur.
Im Rahmen einer Kurmaßnahme ist bei anhaltende n Dauerkopfschmerzen auch eine Hydrotherapie in Form von Wechselbädern und /
oder Kneippschen Güssen empfehlenswert.
Auch Biofeedback (= Registrierung und Rückmeldung
bioelektrischer Signale) kann hilfreich sein. Auch
bei anhaltende n Dauerkopfschmerzen hat sich die Vermittlung von Entspannungstechniken
(Progressive Relaxation nach Jacobson, Autogenes Training) sehr bewährt. Bei
streßinduzierten Kop fschmerzen ist ein Streßbewältigungstraining
hilfreich.
2. Sekundäre oder symptomatische Kop fschmerzen
Dieser Begriff
bezeichnet Kop fschmerzen, die als Symptom auf eine faßbare organische oder
psychische Ursache zurückzuführen sind. Die schematische Gliederung der
möglichen Ursachen orientiert sich der besseren Übersicht wegen im folgenden
am Symptom "Kop fschmerz ".
2.1. Dauerkopfschmerzen als (zunächst) einziges Symptom:
Diese Gruppe umfaßt
mögliche Ursachen, bei denen typischerweise andauernde Kop fschmerzen überhaupt oder
zunächst als einziges Krankheitszeichen auftreten. Differentialdiagnostisch
(= zur Abgrenzung gegenüber anderen Erkrankungen)
wichtig innerhalb dieser Gruppe: "Ps ychogene"
Kop fschmerzen.
Nach Soyka (1989) gibt es kein spezifisch ps ychogenes
(= rein psychisch bedingtes) Kop fschmerz
-Synd rom.
Das "Ad-Hoc-Commitee" definierte den "ps ychogenen"
Kop fschmerz als halluzinatorische Sinnestäuschung oder Ausdruck einer
Konversionsneurose ohne peripheren Schmerzmechanismus. Die Kritik an dieser
Definition setzt bei letztgenanntem Kriterium ein, gibt es doch primäre,
ständig vorhandene Kop fschmerzen, bei denen auch kein peripherer Schmerzmechanismus bekannt ist.
Insgesamt gesehen dürften rein psychogen verursachte Kop fschmerzen relativ
selten sein, wenngleich wir ihn in der Klinik recht häufig sehen (ca. 3-4%
aller Patienten mit Dauerkopfschmerzen). Dies ist jedoch darauf
zurückzuführen, daß sich in einer Schmerzklinik naturgemäß Patienten mit therapieresistenten,
anhaltende n Dauerkopfschmerzen häufen.
2.2. Dauerkopfschmerzen als Begleitsymptom (=
zusätzlich auftretendes Krankheitszeichen):
Neben Kop fschmerzen sind in der Regel weitere Symptome für die exakte Diagnose
richtungsweisend. Die Kenntnis der möglichen Krankheitsbilder ist allerdings
wichtig, da manchmal auch in untypischer Weise Kop fschmerzen als zunächst
einziges Symptom auftreten können. Außerdem gilt es, andere Begleitsymptome
nicht zu übersehen.
2.2.1 Ar teriitis tem poralis (= En tzündung der Schläfenschlagader).
Ursache
ist die Riesenzellenarteriitis, die vorwiegend neben der A. tem poralis (=
Schlagader der Schlä fe) auch die A. carotis externa
(= äußere Halsschlagader) und die A. centralis
retinae (= Schlagader im Auge)
befallen kann. Bohrende, in ihrer Intensität wechselnde Dauerkopfschmerzen, hauptsächlich im
Schlä fenbereich,
treten meist im Rahmen eines
allgemeinen Krankheitsgefühls auf. Häufig bestehen auch Mus kel- und
Gelen kschmerzen.
Bei Befall der Kaumuskulatur tritt die typische Claudicat io masticatoria (= Kaumuskelschwäche)
auf. Die Blutsenkung ist regelmäßig stark erhöht. Schon der Verdacht auf eine
Arteriit is
tem poralis zwingt wegen der Gefahr der Erblindung (Befall der A.
centralis retinae) zur sofortigen Kortisonbehandlung. Der Nachweis der Krankheit
erfolgt histologisch (= durch
Gewebeuntersuchungen).
2.2.2 Folgende internistische Krankheiten können, wenn auch relativ selten, mit Dauerkopfschmerzen einhergehen: Schilddrüsendysfunktion, Nebenniereninsuffizienz, Hypoglykämie, Hyperparathyreoidismus, Hypophysenadenom, Anämien, Panzytopathien, Leukämien, Angina pectoris, Aorteninsuffizienz.
2.2.3 Exogene Intoxikationen
(= durch äußere Ursache entstandene Vergiftungen) (Soyka 1980).Medikamente. - Bei dieser Gruppe treten andauernde Kopfschmerzen als Begleitsymptom oft schon in therapeutischer Dosierung auf, so daß man dann allenfalls von einer relativen Intoxikation
(= Vergiftung) sprechen kann.2.2.4 Chronische postt raumatische
Kopfschmerzen:
Die
sogenannten postt raumatischen
Therapie der sekundären
(= auf eine Grundkrankheit zurückzuführenden) Kop fschmerzen:"Psy chogene"
(= psychisch verursachte) Dauerkopfschmerzen sollte stationär psychosomatisch orientiert behandelt werden. Da die betroffenen Patienten fast regelmäßig auf einer körperlichen Ursache ihrer Schmerzen "bestehen", ist es nicht sinnvoll, sofort in die Psychotherapie einzusteigen, man riskiert damit nur, daß der Patient die Behandlung abbricht. Indem wir mit einer täglichen therapeutischen Lokalanästhesie im Kopfbereich beginnen, geben wir dem Patienten das Gefühl, daß auch wir an die körperliche Entstehung seiner Schmerzen glauben. Gleichzeitig aber bestehen wir darauf, daß der Patient an Einzelentspannungsübungen wie z.B. autogenem Training teilnimmt, was meist auch eingesehen und toleriert wird. Der Psychotherapeut, der auch das autogene Training durchführt, erhält so die Gelegenheit, die Patienten kennenzulernen und Vertrauen zu bilden, um auf dieser Basis allmählich in psychotherapeutische Interventionen einsteigen zu können.3. Kombinationskop fschmerz
In der Klinik
sehen wir diese Dauerkopfschmerzen immer häufiger, wobei eindeutig die
Kombination eines primären
Die Kombinationen
- Mig räne und Kop fschmerz vom Spannu ngstyp, wobei die einzelnen Komponenten entweder gemeinsam oder zeitlich voneinander getrennt auftreten können. Da die Einzelsymptome fließend ineinander übergehen können, lassen sich nicht in jedem Falle die Einzelkomponenten trennen. Häufig kommen die Patienten mit der Hilfsdiagnose "mig ränoide Kephalg ie" (= migräneartige Kop fschmerzen).
Mig räne und Schmerzmittel-/Ergotaminkop fschmerz. - Bei dieser Kombination dominiert als zweite Komponente aufgrund eines Schmerzmittel- oder Ergotam inabusus (= mißbräuchliche Anwendung von Ergotam in) ein vasomotor ischer (= von Blutgefäßen ausgehender) Schmerztyp, also dumpf und pulsierend. Ein unflankierter Entzug des Ergotamins (= in dem als alleinige Maßnahme das Ergotam in weggelassen wird) führt häufig zu statusartigen (= anhaltenden) Mig räneanfällen. Spannu ngs- und Schmerzmittelkop fschmerz. - Anamnestisch (= früher) traten die ursprünglichen Kop fschmerzen vom Spannu ngstyp früher sehr häufig, oft täglich auf und zwangen so zu häufiger Schmerzmitteleinnahme, wodurch sich schleichend zusätzlich anhaltende, ständig vorhandene Schmerzmittelkop fschmerzen ausbildeten. Aktuell geben die Patienten meist an, daß die Dauerkopfschmerzen von wechselnder Intensität sind. Andere Kombinationen sind möglich, jedoch seltener, so z.B. ver tebragene (= von der Halswir belsäule ausgehender) und andauernde Schmerzmittelkop fschmerzen.
Therapie beim Kombinationskop fschmerz:
Therapeutische Lokalanästhesie (=
Behandlung mit einem örtlichen Betäubungsmittel)
im Bereich des Kopfes zur Entzugsbehandlung bei chronische n Dauerkopfschmerzen:
Blockade aller Nerven, die an der
sensiblen Innervation (= Versorgung)
des Schmerzbereichs beteiligt sind (infrage kommen die Nerven supraorbitales,
occipitales majores et minores), mit 1-2 ml z.B.
Bupivacain 0,25-0,5% an ihren
Austrittspunkten, 1 bis 2 mal täglich. Zusätzlich werden, falls betroffen, die
Aurikulotemporal is- Region (=
Schlä fenbereich) und korrespondierende
Triggerpunkte (= Schmerzreizpunkte)
infiltriert. Von besonderer Bedeutung sind die myofaszialen
(= Mus keln und deren Gewebsumhüllung betreffende)
Triggerpunkte.
Bei hinterkopfbetonten Dauerkopfschmerzen, auch mit mehr oder weniger
deutlicher Beteiligung der Halswir belsäule, unabhängig davon wie der
Kop fschmerz nach den obengenannten Kriterien klassifiziert wurde, führen wir in
gleicher Sitzung tiefe Infiltrationen der paravertebralen
(= an die Wir belsäule angrenzenden)
Mus kulatur
mit insgesamt etwa 4- 6 ml durch.
Grundsätzlich sind auch bei chronische n Dauerkopfschmerzen nichtmedikamentöse Therapieverfahren sinnvoll, so z.B. die transkutane (= über die Haut verabreichte) elektrische Nervenstimulation mittels Klebeelektroden, insbesondere aber auch psychologische Interventionen (z.B. Erlernen von Entspannungstechniken, Schmerzbewältigungstraining).
Wenn chronische Dauerkopfschmerzen längerfristig bestehen, so ist davon auszugehen, daß bereits ein Chronifizierungsgrad II oder III (Mainzer Stadieneinteilung) vorliegt. In diesen Fällen ist eine rein somatische (= körperliche) Behandlung kaum mehr ausreichend, sondern es müssen zusätzlich psychologisch /psychotherapeutische Interventionen erfolgen.
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Aktualisiert: 07.05.2006
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H
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I
Idiopathischer Kopfschmerz,
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K
Karzinom,
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L
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M
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N
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